Geburtsurkunden

„Wenn ein Kind keine Geburtsurkunde hat, wird es seiner Zukunft beraubt. Es lebt unsichtbar wie ein Geist.“

Die internationale Musikerin und UNICEF-Botschafterin Angélique Kidjo



Eine Geburtsurkunde – Haben Sie einmal hinterfragt wozu man so etwas braucht?
Wenn nicht, dann wahrscheinlich, weil wir es einfach gewohnt sind eine Geburtsurkunde, einen Personalausweis und wahrscheinlich auch einen Reisepass zu haben.
Wir können uns ausweisen, wir haben eine Identität und wir sind statistisch erfasst.
Ohne diese Papiere ginge nichts: kein Schulbesuch, kein Behördengang, keine Erfassung im Gesundheits- und Sozialsystem. Ja, an fast alle Bürger*innenrechte ist zunächst die Anerkennung als existierende*r Bürger*in eines Landes gebunden.
In der Kinderrechtskonvention der UN heißt es: Jedes Kind hat den Recht auf einen Namen und damit verknüpft das Recht, dass dieser auf dessen Geburtsurkunde mit dem Geburtsort festgehalten wird.

Trotz dieser hohen Bedeutung und gesetzlichen Verankerung herrscht in weiten Teilen Togos wenig Bewusstsein für die Wichtigkeit einer Geburtsurkunde bzw. ist es logistisch oder finanziell nicht möglich, eine zu beantragen. Die nicht erfassten Kinder haben somit quasi ab dem Moment ihrer Geburt einen Nachteil. Speziell in Togo ist eine Geburtsurkunde essentiell für den Abschluss der Schule, den Erhalt eines Ausbildungsplatzes oder für den Beginn eines Studiums. Für die Beteiligung an den Wahlen im Land ist eine Geburtsurkunde ebenso Voraussetzung.
Häufig kommt es vor, dass das Alter eines Kindes nicht genau bekannt ist. Dadurch kann es ebenfalls zu Problemen kommen:
Wie zum Beispiel soll man ein minderjähriges Mädchen vor illegaler Frühheirat schützen, wenn man nicht genau weiß, wie alt es ist?

Valide Zahlen darüber, wie viele Kinder in Togo keine Geburtsurkunde haben sind sehr schwierig zu bekommen, was in der Natur der Sache liegt. Wie erfasst man schließlich statistisch nicht erfasste Kinder?
UNICEF geht jedoch davon aus, dass mindestens ein Drittel der Kinder in Togo keine Geburtsurkunde besitzen. Auf dem Land ist die Zahl nicht erfasster Kinder wesentlich höher als in urbanen Regionen.

Unser gleichnamiger Partnerverein in Togo führt aus diesem Grund regelmäßig Sensibilisierungen und Fortbildungen mit Schüler*innen, Eltern, Schul- und Krankenhauspersonal durch, um über die Wichtigkeit von Geburtsurkunden aufzuklären. Das Team besteht aus zwei Sozialarbeitern, die jedes Mal von anderen Volontär*innen oder Praktikant*innen begleitet werden, um die Zahl der Menschen zu erhöhen, die solche Veranstaltungen durchführen können.
Neben den Sensibilisierungen identifiziert das Team die Kinder und Jugendlichen ohne Geburtsurkunde, um den dringendsten Fällen eine auszustellen. Dringend ist es beispielsweise, wenn ein Kind in der 6. Klasse ist und für das Exam zur weiterführenden Schule eine Geburtsurkunde benötigt. Mit dem gesamten Projekt wird also sowohl Aufklärung zum Recht auf Identität geleistet, sowie vielen Schüler*innen den Zugang zu weiterführender Bildung ermöglicht.

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Aktuelle Zahlen Stand 17.07.2019:
Erreichte Personen bei Sensibilisierungen und Fortbildungen: 3546
Erstellte Geburtsurkunden: 222
(die einzelnen Zahlen finden Sie bei den jeweiligen Einträgen unter „Aktuelles„)